Das Szenario

Im Kontext eines katastrophalen Zugunglücks werden zahlreiche Personen schwerverletzt; mehrere Fahrgäste sind bewusstlos und teilweise unter den Trümmern eingeklemmt oder begraben. Per Mobiltelefon melden unverletzt gebliebene Fahrgäste den Unfall der nächsten Leitstelle. Da der Unfallort sich am Schnittpunkt dreier Rettungsdienstbezirke, in einer ländlich geprägten Region befindet, bittet die Leitstelle die angrenzenden Rettungsdienstbereiche um Unterstützung im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.

Drei Rettungsteams aus unterschiedlichen Rettungsdienstbezirken beginnen mit der Sichtung der Schadenstelle und der Verletzten. Über eine Datenbrille mit integrierter Kamera werden sie dabei von Telenotärzten unterstützt. Über die Darstellung eines Sichtungsalgorithmus zeigt die Datenbrille den Rettungsassistenten fortlaufend die nächsten Diagnoseschritte an. Per Audio- und Videoübertragung unterstützen die Telenotärzte die Rettungskräfte bei der Sichtung und geben Hilfestellung bei schwierigen Entscheidungen. Fehleinstufungen können so vermieden und der Mangel an Notärzten in dieser strukturschwachen Region kompensiert werden. Die Einsatzkräfte verwenden unterschiedliche Patientenanhängekarten und Dokumentationssysteme, auf denen sie die Sichtungskategorie des Patienten und weitere medizinische Daten festhalten. Über den Dokumentationsmodus liest die integrierte Videokamera die handschriftlich notierten Daten von allen Anhängekarten ab und überträgt diese in die Informations-Integrations-Schicht.

Weitere verbundene System-Komponenten können nun auf diese Daten zugreifen – so können sich etwa noch auf der Anfahrt befindliche Führungskräfte in Echtzeit einen Überblick zur aktuellen Situation verschaffen. Mehrere Verletzte sind in einem Wagen eingeklemmt und nicht ansprechbar. Eine Sichtung dieser Verletzten erweist sich als problematisch, da die Rettungskräfte die Personen zwar sehen können, der Weg zu ihnen aber versperrt ist. Mit Hilfe von Bild- und Videodaten dieser Patienten, in Kombination mit innovativen Algorithmen aus der Informatik (z.B. durch die Eulersche-Video-Magnifizierung, vgl. Wu et al. 2012), können die Vitalparameter (Atmung/Puls) der Eingeklemmten auch ohne direkten Patientenkontakt exakt bestimmt werden. Die Telenotärzte verfolgen das Einsatzgeschehen über die Kameras des Rettungsfachpersonals. Die multiperspektivische Darstellung in der Telenotarzt-Zentrale  bietet diesen einen einzigartigen Überblick über das verstreute, komplexe Rettungsgeschehen. Wichtige Beobachtungen geben sie direkt an den Leitenden Notarzt weiter.

Früh ist zudem absehbar, dass der Transport der Verletzten in die wenigen umliegenden Krankenhäuser langsam verlaufen wird. Um den Schwer- („gelb“ gesichteten Patienten) und Schwerstverletzten („rot“ gesichteten Patienten) zügig medizinische Hilfe zukommen lassen zu können, wird deshalb am Einsatzort ein Behandlungsplatz aufgebaut. Der Mangel an Notärzten am Behandlungsplatz wird hierbei durch Telenotärzte kompensiert, die verschiedene Behandlungsverfahren an Rettungsfachpersonal delegieren und ihre Umsetzung überwachen und supervidieren.

 

Abbildung 1 illustriert das beschriebene Scenario und das Gesamtziel des Vorhabens als integratives Lösungskonzept zur effizienten Bewältigung von Großschadenlagen.

Das Szenario